Unser Frühlingsbuch: Rita Mae Brown – Jacke wie Hose

25. März 2016     Robert

Keine_Bildcover_RechteUnterhaltsamer ist Geschichtsunterricht nie gewesen. Und berührender. Und lebendiger.

Die Geschichte zweier Schwestern, die permanent zanken und dennoch nicht ohne einander auskommen, wird über mehrere Jahrzehnte hinweg beleuchtet, wobei die Gesellschaft einer Kleinstadt genau an der Grenze zwischen Nord- und Südstaaten, Krieg, Prohibition und – natürlich – Schwulen- bzw. Lesbenrechte immer wieder alltägliches Thema sind. So erlebt man mit den Schwestern kindliche Streiche und das gewalttätige Niederschlagen eines Arbeiterstreiks, Schulabschlüsse und Kriegseintritt, und erfährt ganz nebenbei einiges über das Leben in der Mitte Amerikas von 1909 bis 1980.

Wie gewohnt ist Browns Sprache leicht und spielerisch, häufig ironisch und immer wieder sehr wahr. Ihre Charaktere sind alles besondere Frauen, wie die reiche, in einer mehr schlecht als recht verborgenen lesbischen Beziehung lebende Celeste und deren “Mädchen für alles” Cora, deren zänkische Töchter Dreh- und Angelpunkt der Geschichte darstellen, ohne dabei wirklich in alle Erlebnisse verwickelt zu sein. Durch die katholische Gesinnung der einen Tochter werden Themen wie gleich-geschlechtliche Liebe, Alkohol und Sex vor der Ehe religiös diskutiert und Brown schafft es, den kirchlichen Begriff der Sünde immer wieder intelligent und ironisch der menschlichen Natur und dem gesunden Menschenverstand entgegenzusetzen und die heuchlerische Art der Glaubensschwestern in ihrem Verhalten zu spiegeln, ohne direkt darauf hinzuweisen.

Wieder in der Gegenwart (1980) angekommen, lässt das Buch uns erschöpft zurück, mit dem Gefühl, etwas sehr Wahres über das Leben gelernt zu haben, das sich nicht richtig in Worte fassen lässt. Tiefsinnig und trotzdem leicht fließend wie das Leben selbst.

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