COME IN WEEKLY (KW 12)

Hallo und herzlich Willkommen zurück bei COME IN WEEKLY – der queere Kolumne des COME INs.

 

Trotz einer etwas ruhigeren Woche wollen wir gleich mal mit einer Nachricht aus Amerika anfangen.

Cynthia Nixon – einigen unter euch vielleicht noch als Miranda aus Sex And The City bekannt – hat Anfang der Woche bestätigt, dass sie für das Gouverneursamt in New York kandidieren will. Die New Yorkerin erzählt in einem kurzen Online-Video, dass New York ihre Heimat sei und sie noch nie woanders gelebt habe. Auch ihre Kinder – zwei davon aus der Ehe mit ihrem Ex-Mann und eines aus der Ehe mit ihrer jetzigen Ehefrau – sollen in der Stadt aufwachsen. 

 

Seit 2014 ist sie Teil eines Berater-Gremiums, der von Bürgermeister Bill de Blasio ins Leben gerufen wurde. Vor allem engagiert sie sich für die Bildungspolitik. Ihrer Meinung nach würden öffentliche Schulen im Staat keinerlei Zukunftsperspektiven mehr bieten – New York müsse sozialer und demokratischer werden.

Sollte Nixon die Wahl gewinnen, würde erstmals in den USA ein Gouverneursamt mit einer Person besetzt, die mit einem Partner des gleichen Geschlechts in einer Ehe lebt. Bisher gab es in allen Bundesstaaten nur zwei offen homo- oder bisexuelle Politiker: Jim McGreevey aus New Jersey und die offen bisexuelle Politikerin Kate Brown aus Oregon.

 

Auch in Deutschland gibt es Neuerungen – zumindest werden diese aktuell in Berlin heiß diskutiert!

Berlin möchte aus dem Bundesrat heraus den Grundrechtsschutz vor Diskriminierung erweitern. Diskutiert wurde ein Entwurf für eine Bundesratsinitiative, die Dirk Behrendt vorgelegt hatte.

Das Problem? Bislang konnte sich nicht auf die Begriffe geeinigt werden die dem Grundgesetz hinzugefügt werden sollen.

Im Entwurf der Grünen ist von “sexueller Identität” die Rede. Die Linke will aber, dass dort zwei Begriffe neu stehen: “geschlechtliche Identität” und “sexuelle Orientierung”. Bisher heißt es im Grundgesetz: “Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.” Grundsätzlich ist sich die rot-rot-grüne Koalition einig, dass die Verfassung geändert werden soll.

Bleibt abzuwarten, ob und inwieweit das Grundgesetz nun geändert wird.

 

Die letzte Nachricht kommt ebenfalls aus Berlin:

Seit 2012 betreibt die Schwulenberatung Berlin das Mehrgenerationenhaus “Lebensort Vielfalt” in Berlin-Charlottenburg und seit 2016 eine Unterkunft für queere Geflüchtete in Berlin-Treptow. Wie die 1981 gegründete Organisation am Montag mitteilte, entsteht direkt am Bahnhof Ostkreuz in Berlin-Friedrichshain eine weiterer “Lebensort Vielfalt” mit vier betreuten Wohngemeinschaften mit je sieben Plätzen für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung mit und ohne Fluchthintergrund (schwul, trans oder inter).

Die Wohnungen und Zimmer sind zum Teil behinderten- und rollstuhlgerecht. Jedes Zimmer verfügt über einen französischen oder einen begehbaren Balkon. Die Schwulenberatung Berlin unterstützt die Bewohner vor Ort bei der alltäglichen Lebensführung.

Im Erdgeschoss des Hauses soll ein kleines Café/Bistro entstehen, das als Arbeits- und Beschäftigungsprojekt betrieben wird. Dort haben betreute Klienten der Schwulenberatung Berlin die Möglichkeit, mitzuarbeiten und sich selbst zu erproben – vor allem für Menschen mit Fluchthintergrund würden sich dabei viele Möglichkeiten ergeben, sich mit der Berliner Kultur vertraut zu machen. Im Erdgeschoss sollen außerdem Büro- und Beratungsräume für die Betreuungsarbeit entstehen.

Sehr schade ist, dass das Haus und die Einrichtung nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Daher wird Unterstützung gesucht, beispielweise Einbauküchen, Waschmaschinen, Trockner, Stühle oder Tische.

Falls ihr helfen wollt oder könnt,  kann über schwulenberatungberlin.de Kontakt aufgenommen werden. 

 

Das wars auch schon für diese Woche!

Genießt die Sonne 🙂

 

Bis nächste Woche,

Min. 🌈

 

Dieser Beitrag kann persönliche Meinung des Autors enthalten, die nicht automatisch die Meinung des Jugendtreffs  COME IN sein muss.

COME IN WEEKLY (KW 11)

Hallo und herzlich Willkommen zurück bei COME IN WEEKLY – der queere Kolumne, die kurz und knapp zusammenfasst, was alles in der letzten Woche so passiert ist.

Diese Woche war für jede*n was dabei, fangen wir also gleich an! 🙂

 

Sara Ramirez ist seit einiger Zeit wieder zurück auf dem Fernsehbildschirm.

Nachdem sie bis 2016 die bisexuelle Callie Torres  bei Grey’s Anatomy gespielt hatte, was es erstmal etwas ruhig um sie geworden. In dem Zeitraum hatte sie – lange Zeit nach ihrer Serienfigur – ihr eigenes, persönliches Coming Out. Während einer Rede beim True Colors 40 bezeichnete sie sich als “queere, bisexuelle Frau mit multikulturellen 

Wurzeln” und macht sich seit jeher als LGBTQI*-Aktivistin für die Rechte der queeren Amerikaner*innen stark. 

Nun hatte nach Callie Torres eine weitere ihrer Charaktere ein Coming Out.  Ihre Figur Kat Sandoval – Teil der Serie “Madam Secretary” – hatte sich letzten Sonntag als “queer und pansexuell” geoutet. Sara selbst sagt, es sei wichtig und aufregend, das wahre Leben so auf der Mattscheibe wiederzugeben, wie man es leider oft nicht in den Mainstream-Medien repräsentiert sieht.

 

Nun zu einem Menschen, der mir persönlich sehr am Herzen liegt: Harry Styles.

Der ehemalige One Direction-Sänger hat letzte Woche den zweiten Teil seiner Welttour mit dem Namen “Harry Styles: Live on Tour” begonnen und dort ein neues Lied vorgestellt: Medicine.

 

Fans, die dem Sänger schon länger folgen, waren begeistert – nicht nur, weil der rockige Sound etwas ist, das es so per se nicht während One Direction gab, sondern auch wegen folgender Liedzeile:  “The boys and the girls are here, I mess around with them, and I’m okay with it.” (dt.: Die Jungs und Mädchen sind hier, ich mach mit ihnen rum und das ist okay für mich)

Viele interpretieren dies als eine Art (erneutes) Coming Out des Sängers. Bereits in einem Interview mit der Sun 2017 sagte er, dass er keinen Sinn darin sehe, seiner Sexualität ein Label zu verpassen, da er nicht der Meinung ist, dass seine sexuell-romantische Identität etwas sei, das er erklären müsse.

Styles hatte es sich auch schon zu One Direction-Zeiten zur Aufgabe gemacht, den Fans deutlich zu machen, dass jede*r willkommen sei und jede Identität valide sei. Zu bisher jedem seiner Solokonzerte sprang er mit Regenbogenflagge – in Washington auch mit der Trans*-Flagge als Zeichen gegen Trump – auf der Bühne rum, was viele queere Fans anzieht, die in ihm und seiner Musik einen sicheren Ort gefunden haben. 

Einer der schönsten Momente – neben dem von Fans organisierten Projekt “Rainbow Direction” oder den verschiedenen Pride-Flaggen, die von Fans zu seinen Konzerten mitgebracht werden – waren die Verlobungen zweier weiblicher Fans mit ihren Freundinnen beim Pariser Konzert diese Woche. Die Geschichte von Clem und ihrer Verlobten verbreitete sich schnell unter den Fans auf Twitter und auch Harrys Team bekam Wind davon, als die offizielle Tourfotografin die beiden ablichtete.

Bleibt den vieren nur alles Gute zu wünschen 🙂

 

Ein weiterer Gewinn für die LGBTQI* Community kann Australien verzeichnen.

Seit einer dieswöchigen Entscheidung ist es nun gleichgeschlechtlichen Paaren möglich, sich für die Adoption eines Kindes zu bewerben und dieses Kind auch gemeinsam zu adoptieren. Die Entscheidung, die Adoption für gleichgeschlechtliche und unverheiratete Paare zu öffnen, kam nach der Öffnung der Ehe für alle, für die 62% der australischen Bevölkerung damals stimmte.

 

Zu guter letzt nochmal einiges aus Deutschland:

Hamburg – eindeutig Vorreiterin, wenn es um LGBTQI*-Rechte in Deutschland geht – soll die Große Koalition in Berlin drängen, das dritte Geschlecht für intersexuelle Menschen so schnell wie möglich einzuführen. Im Oktober 2017 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass Menschen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen können, einen eigenen Geschlechtseintrag im Personenstandsgesetz bekommen müssen. Wie diese Neuregelung allerdings gesetzlich aussehen wird, ist noch unklar.

Der Hamburger Senat möchte den Prozess nun beschleunigen, indem die betroffenen Fachbehörden schauen sollen, wo genau Handlungsbedarf besteht und wie erste Schritte umgesetzt werden können. Es soll geprüft werden, ob in Hamburg das dritte Geschlecht eigenständig eingeführt werden kann. Da das Personenstandsgesetz allerdings ein Bundesgesetz ist, soll dies eher eine symbolische Wirkung in Richtung Berlin haben.

Es tut gut zu sehen, dass sich diverse Bundesländer doch noch für die aufgestellten Aktionspläne für Vielfalt einsetzen und somit auch versuchen, auf Bundesebene einiges voranzutreiben.

 

Eine kurze bisexuelle Sondernennung kriegt diese Woche noch der australische Schauspieler Keiynan Lonsdale, der Bram Greenfeld in dem neuen Coming-of-Age Film “Love, Simon” spielt. Bereits 2017 outete er sich mit einem

 Instagram-Post als bisexuell, nachdem er meinte, dass sein Mitspielen in dem Film – bei dem es um einen ungeouteten schwulen Schüler geht – ihm den nötigen Mut gab, um seine internalisierte Scham zu überwinden und zu sich zu stehen.

 

Hierbei sieht man doch eigentlich mal wieder, wie wichtig Repräsentation für die Community und auch für sich selbst sein kann.

 

Das wars schon wieder für diese Woche.

Packt euch warm ein, der Winter kommt offenbar wieder zurück  😐 

 

Bis nächste Woche,

Min. 🌈

 

Dieser Beitrag kann persönliche Meinung des Autors enthalten, die nicht automatisch die Meinung des Jugendtreffs COME IN sein muss.

COME IN WEEKLY (KW 10)

Hallo und herzlich Willkommen zurück zu COME IN WEEKLY!

Es ist wieder einiges in der queeren Welt passiert, also legen wir gleich los 🙂

 

Zu allererst eine lokale Erinnerung:

In der ersten COME IN WEEKLY wurde der Film “Call Me By Your Name” vorgestellt. Genau dieser Film startete Anfang März in den deutschen Kinos und kann in Magdeburg aktuell noch im Moritzhof gesehen werden.

Laut der offiziellen Homepage des Moritzhofs gibt es noch vier Vorstellungen, bevor der Film durch einen anderen ersetzt wird. Solltet ihr ihn also noch nicht gesehen haben, wird es höchste Zeit! Die letzte Vorstellung läuft am 14.3 um 17.45 Uhr.

 

 

Bleiben wir doch noch kurz beim Thema Filme …

Diese Woche wurden auch die Oscars verliehen! Unter anderem war “Call Me By Your Name” nominiert und räumte tatsächlich auch eine der begehrten Trophäen für das beste adaptierte Drehbuch ab – Ein Gewinn für die queere Community!

Neben dem Gewinn des Coming-Of-Age-Films gewann auch “Eine fantastische Frau – Una mujer fantástica” als bester fremdsprachiger Film. In dem Film geht es um eine Transfrau, die als Kellnerin arbeitet und nach dem plötzlichen Tod ihres älteren Freundes um ihr Recht auf Trauer kämpfen muss. Die Hauptdarstellerin Daniela Vega, die selbst trans ist, schrieb außerdem Geschichte, da sie als erste Trans-Schauspielerin bei den Oscars als Moderatorin auftrat. Sie stellte den Song “Mystery of Love” aus dem Film “Call Me By Your Name” vor, der als bester Orginalsong nominiert war.

 

Von Hollywood nach Berlin und somit zum deutschen Parliament …

Die Süddeutsche Zeitung hat sich letzte Woche einmal genau die Aufstellung der deutschen Abgeordneten angeschaut und festgestellt: Bei 709 Mitgliedern im Deutschen Bundestag sollte es – geht man nach der zehn-Prozent-Regel – wenigstens 70 queere Parlamentarier*innen geben.

Geht man nach der allgemeinen Repräsentation der deutschen Einwohner*innen müssten 7,3% nicht-heterosexuell sein, was bei 709 Mitgliedern genau 52 Politiker*innen wären.

Für den einen oder anderen nun vielleicht überraschend: 43 der 709 Abgeordneten identifizieren sich als nicht-heterosexuell. Somit fehlen “nur” neun weitere Personen, um die deutsche queere Bevölkerung zu repräsentieren. Bei Frauen, Alten, Jungen, Migranten, Muslimen, Menschen mit Behinderung oder mit Hauptschulabschluss, Alleinstehenden sowie Dorfbewohnern sieht das allerdings leider ganz anders aus.

Was jedoch heißt das genau? Von den 709 Politiker*innen haben nur 280 den detaillierten Fragebogen zurückgeschickt; viele sind nicht geoutet oder haben überhaupt nicht an der Umfrage der SZ teilgenommen. Auch sagt das nicht sonderlich viel über die Vertretung von LSBTTIQ*-Rechte aus. Immerhin gibt es seit der Bundestagswahl 2017 Alice Weidel, die zwar lesbisch ist, aber aktiv gegen die Ehe für alle vorgeht.

Ich frage mich ja, was ihre Ehefrau davon hält.

 

Zum Schluss nochmal ein kleiner Ausflug nach Amerika und in die dortige Politik:

Die Diskriminierung von Transpersonen ist in den USA nach einem Bürgerrechtsgesetz aus dem Jahr 1964 verboten. Das hat ein Bundesberufungsgericht in Cincinnati (US-Bundesstaat Ohio) am Mittwoch entschieden. Der “United States Court of Appeals for the Sixth Circuit” hatte über einen Fall eines Bestattungsinstituts in Garden City (US-Bundesstaat Michigan) entschieden, das eine Trans-Mitarbeiterin wegen ihrer Geschlechtsidentität fristlos gefeuert hatte.

Das Unternehmen, das Aimee Stephans zuvor angestellt hatte, hatte sie 2013 gefeuert, nachdem sie sich outete. Die Begründung ihres Chefs war, dass “das Geschlecht einer Person unabänderbar und gottgegeben” sei.

2016 wurde schon mal über den Fall entschieden – Damals, mit Hilfe eines von George W. Bush ernannten Juristen – bekam der christliche Arbeitgeber Recht. Aimee sei eine “erhebliche Belastung” für das Unternehmen. Nun aber haben drei Richterinnen in Cincinnati die Auffassung einstimmig zurückgewiesen. 

In “Title VII” des Bürgerrechtsgesetzes wird unter anderem auch das Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes festgelegt; darunter würde das Merkmal Geschlechtsidentität fallen und somit sei es für Christen keine “substanzielle Bedeutung”, Trans-Arbeiternehmer*innen zu beschäftigen.

Allerdings ist die Entscheidung noch nicht endgültig – der Supreme Court in Washington wird wohl noch das letzte Wort haben. 

 

Das wars erstmal wieder mit COME IN WEEKLY.

Bleibt mir gesund! 🙂

 

Bis nächste Woche,

Min. 🌈

Dieser Beitrag kann persönliche Meinung des Autors enthalten, die nicht automatisch die Meinung des Jugendtreffs  COME IN sein muss.

COME IN Weekly (KW 09)

Willkommen zurück bei COME IN Weekly! 
Ich hoffe, ihr habe die eisige Kälte bisher gut überstanden und habt euch keine Erkältung eingefangen.  😎

Kommen wir gleich zum ersten Thema für die dieswöchige Weekly:

Bekanntlich macht der Mai alles neue. So auch in diesem Jahr, denn schon in acht Wochen beginnt hier in Deutschland die CSD-Zeit. Der erste deutsche Pride im Jahr 2018 findet am 05.05.2018 in Potsdam statt, zwei Wochen später geht die Party in Flensburg, Hannover und Greifswald weiter.

Für alle, denen Flensburg und co zu weit ist oder die einfach gerne queere Menschen aus der Magdeburger Szene kennenlernen wollen, empfehle ich den 25.08.2018 im Hinterkopf zu behalten. Im August feiert Magdeburg den Christopher-Street-Day und lädt alle Menschen auf dem LSBTTIQ* Spektrum und deren Verbündete dazu ein.

Weitere CSD-Termine in ganz Europa findet ihr hier.

 

Nun kommen wir zu meinem persönlichen Coming Out der Woche: Felix Jaehn.

Bisher bekannt für seine Remix-Versionen von Hits wie Photograph (Ed Sheeran) oder Cheerleader (Omi) erklärte er in einem aktuellen Interview, in dem er auf seinen neuen Hit “Don’t Say Love” angesprochen wurde: “Ich merkte damals, dass ein Mädchen mehr von mir wollte, […] aber ich wusste, dass ich auch Jungs gut finde. […] Dieser innere Konflikt ließ mich immer wieder vor festen Beziehungen zurückschrecken.”

Die Situation habe er erst einmal mit sich selber ausmachen wollen, bis er schließlich Hilfe in seiner Familie fand. Seine Brüder seien die Ersten gewesen, denen er sich anvertraute. Dadurch habe sich ein Knoten gelöst.

Ich bin in einem kleinen Dorf groß geworden […] wo vorgelebt wurde, dass es nicht normal ist, sich als Junge in Jungs zu verlieben. […] Ein Alptraum!

 

Jetzt träume er davon, einen Menschen zu finden, mit dem er sein Leben teilen könne. Gekrönt hat er das ganze mit dem Regenbogenemoji, den er öffentlich auf seiner Instagramseite gepostet hatte.

Bleibt zu hoffen, dass ihm großartige bi- oder homophobe Anfeindungen ersparen bleiben und er in naher Zukunft auch den Menschen finden kann, mit dem er glücklich wird und der ihn so akzeptiert, wie er ist.

 

Von jung zu alt (oder zumindest ein bisschen älter  😉 ) geht es jetzt nach Hamburg.

Am Mittwoch wurde die Neufassung des Hamburgischen Seniorenmitwirkungsgesetzes beschlossen. In der Neufassung ist nun auch explizit die Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt verankert. Diese Ergänzung ist – was leider doch sehr traurig ist – in Deutschland in dieser Form bisher einzigartig.

Kurz zum Hintergrund des Seniorenmitwirkungsgesetzes: Dieses gibt es seit 2012 und regelt die Mitwirkung von älteren Bürger*innen in ehrenamtlichen Bezirksseniorenbeiräten und im Landesseniorenbeirat. Die Anerkennung wurde deswegen veranlasst, damit der “Prozess des Älterwerdens in Würde und ohne Diskriminierung von der Stadt unterstützt werden kann”.

Christiane Blömeke, die seniorenpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion erklärt dazu: “Vielfalt ist eine Stärke – auch in der Seniorenmitwirkung! Es ist gut und wichtig, diesen Grundsatz auch mit Blick auf die verschiedenen sexuellen Identitäten älterer Menschen im Seniorenmitwirkungsgesetz zu verankern. Dies ist ein klares Bekenntnis zur gleichberechtigten Teilhabe”

Man kann nur die Daumen drücken, dass auch andere Bundesländer nachziehen und ähnliche Gesetze in ihren Landesverfassungen verankern.

 

Auch auf EU-Ebene tut sich einiges im Bereich LSBTTIQ*-Rechte!

Das Europäische Parlament hat am Donnerstag einen Bericht über die Lage der Grundrechte in der Europäischen Union beschlossen, in der auch Verbesserungen für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten gefordert werden.

Klingt jetzt alles erst einmal etwas schwammig, oder?

Dieser Bericht regt an, in den Lehrplänen der Schule eine Maßnahme zur Aufklärung über die Werte der Toleranz aufzunehmen, um Diskriminierung aller Art zu erkennen. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf Homo-, Trans- oder Biphobie, sondern auch auf antimuslimische, antiafrikanische oder romafeindliche Äußerungen, die stark zu verurteilen sind. Es wird zudem bedauert, dass ” lesbische, schwule, bi-, trans- und intersexuelle Personen (LGBTI) Mobbing und Belästigung erleben und in unterschiedlichen Bereichen ihres Lebens diskriminiert werden”. Hiergegen muss ganz klar angegangen werden, wobei vor allem eine frühe Aufklärung helfen kann.

Zusätzlich gab es noch zwei weitere Zusatzanträge, um die LSBTTIQ*-Rechte zu stärken: Zum einen wurde ein Antrag beschlossen, durch den Mitgliedsstaaten die Bewegungsfreiheit von gleichgeschlechtlichen Paaren und deren Familien garantieren müssen. Hintergrund des ganzen war die noch nicht überall eingeführte gleichgeschlechtliche Ehe oder eingetragene Partnerschaft. Länder wie z.B Polen oder Kroatien erkannten – beispielsweise in Deutschland geschlossene Partnerschaften – oftmals nicht an, was mit einem Rechteverlust der betroffenen Familien und Eheleute einherging.

Ein weiterer Antrag, dem zugestimmt wurde, war die Verurteilung der sogenannten Konversionstherapie. In Deutschland ist diese Praxis leider bislang noch legal, die Bundesregierung hatte sich bislang geweigert, die oft zwanghafte “Heilung” von Homosexualität zu verbieten.

Da Deutschland seit 2008 umfassende EU-Antidiskriminierungsrichtlinien blockiert, wird es sicherlich noch spannend zu sehen, ob und inwiefern die neuen Anträge auch hier in Deutschland umgesetzt werden.

 

Das wars für diese Woche mit COME IN Weekly.

Bleibt mir alle gesund  🙂 

 

Bis nächste Woche,

Min. 🌈

Dieser Beitrag kann persönliche Meinung des Autors enthalten, die nicht automatisch die Meinung des Jugendtreffs  COME IN sein muss.

COME IN Weekly (KW 08)

Hallo und herzlich Willkommen bei COME INs neuester Rubrik: COME IN Weekly.

Bei Come In Weekly werden euch die neuesten Nachrichten aus der queeren Welt vorgestellt – Damit ihr auch immer schön up-to-date bleibt!

Fangen wir gleich mal mit Nachrichten für die Filmnerds unter euch an:

Bei den diesjährigen BAFTA („British Academy Film Awards“) haben zwei LGBTQ Filme mächtig abgeräumt! In der Kategorie „Bester Fremdsprachiger Film“ gewann „The Handmaiden“ (dt: Die Taschendiebin), während „Call Me By Your Name“ den Award für „Bestes Adaptiertes Drehbuch“ für sich beanspruchte. [1]

Für alle, die jetzt neugierig geworden sind, eine kurze Zusammenfassung der beiden Filme:

[The Handmaiden / Die Taschendiebin]

„Korea in den 1930er Jahren, während der japanischen Besatzung. Das junge Mädchen Sook-hee (Kim Tae-ri) wird als Magd für die japanische Lady Izumi Hideko (Kim Min-hee) eingestellt, die mit ihrem Onkel Kouzuki (Cho Jin-woong) auf einem großen Anwesen auf dem Land lebt. Doch die Magd hat ein Geheimnis, denn sie ist eine Diebin, die dem Schwindler Fujiwara (Ha Jung-woo) dabei helfen soll, die Herrin zu verführen und sie auszurauben.“

[Call Me By Your Name]

„Norditalien, 1983: Familie Perlman verbringt den Sommer in ihrer mondänen Villa. Während der 17 Jahre alte Sohn Elio (Thimotée Chalamet) Bücher liest, klassische Musik hört und keinen Flirt mit seiner Bekannten Marzia (Esther Garrel) auslässt, beschäftigt sich sein Vater (Michael Stuhlbarg), ein emeritierter Professor, mit antiken Statuen. Für den Sommer hat sich der auf griechische und römische Kulturgeschichte spezialisierte Archäologe mit Oliver (Armie Hammer) einen Gast ins Haus geholt, der ihm bei seiner Arbeit zur Seite stehen soll. Der selbstbewusste und attraktive Besucher wirbelt die Gefühle des pubertierenden Elio ganz schön durcheinander. Während sich langsam eine Beziehung zwischen den beiden anbahnt, merkt Elio, dass er trotz seiner Intelligenz und der Bildung, die er dank seinem Vater und seiner Mutter Annella (Amira Casar) genießt, noch einiges über das Leben und die Liebe lernen muss …“

 

Nun zu einem Thema, das viele von uns hier in Deutschland beschäftigt – auch wenn man meinen sollte, mit der Einführung der „Ehe für alle“ 2017 sei das Problem erstmal gegessen – und für Amerikaner*innen wohl immer noch ein Dorn im Auge ist: Die „Homo-Hochzeiten“.

(Oder wie ich es nennen würde: Fuckery, die es so nur in Amerika gibt)

In South Carolina wollen sechs Kongressabgeordnete der republikanischen Mehrheitsfraktion die gleichgeschlechtliche Ehe in „Parodie-Ehe“ umbenennen lassen. Sinn des ganzen ist es, queere Ehe praktisch zu annullieren. Ehen, die nicht zwischen Mann und Frau geschlossen werden, werden damit nicht mehr anerkannt. Auch sollen Antidiskriminierungsgesetze verboten werden.

Warum das ganze? Nun, in South Carolina ist man offenbar der Meinung, dass man mit „Homo-Ehen“ die armen, armen Kinder versaut und dass es vor der Eheöffnung 2015 gar keinen Bedarf für gleichgeschlechtliche Ehen gegeben hätte; dafür aber religiöse Menschen vermehrt für ihre Meinung verfolgt worden wären. [2]

Verquere Welt? In Amerika offenbar Alltag.

Da könnten sich die Amerikaner*innen doch eigentlich mal was von uns abschauen, wenn es um das Thema „öffentliche Akzeptanz“ geht.

In Braunschweig nämlich wird für ganze drei Monate die „Regenbogenbahn“ durch die Stadt düsen und mit Slogans wie „Ich bin schwul“ oder „Ich bin genauso Mensch wie du“ für die Vielfalt und Akzeptanz von lesbischen, schwulen und trans* Menschen werben. Das Projekt soll eine Diskussion anzuregen, da viele Menschen – die sich nicht näher mit dem Thema beschäftigen – häufig nicht wissen, was es heißt, nicht-hetero oder nicht-cis zu sein. Vieles sei unklar, über vieles wird nicht gesprochen, so Birgit Sobiech, die das Wagendesign entworfen hat.

Falls ihr also demnächst mal in Braunschweig seid und die Regenbogenbahn seht, dann schießt doch ein Foto und taggt es auf Twitter oder Instagram mit #QueerInBS – Der*Die Gewinner*in kann im Rahmen eines Fotowettbewerbs einen Reisegutschein im Wert von 250 Euro gewinnen. [3]

 

Und wenn wir schon beim Thema Akzeptanz in der Öffentlichkeit sind …

Wie einige vielleicht mitgekriegt haben, hat Berlin eine Broschüre für (pädagogische) Fachkräfte herausgegeben, die sich mit der frühpädagogischen LGBTQ-Aufklärung auseinandersetzt.

 Die Bild betitelt die Aufklärungsarbeit als „Sex-Broschüre für Berliner Kita-Kinder“, die CDU fordert den Verteilungsstopp, während die AfD die Broschüre mit dem etwas zu lang geratenen Namen „Murat spielt Prinzessin, Alex hat zwei Mütter und Sophie heißt jetzt Ben“ als Kindesmissbrauch, der „kranken Hirnen mit pädophilen Hintergedanken entsprungen zu sein scheint“ bezeichnet.

Überraschenderweise hat sich nun jedoch der Landesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) zu Wort gemeldet und entgegen der herrschenden Meinung der Parteikolleg*innen eine doch relativ klare Meinung vertreten: Die Handreichung ist „professionell aufgearbeitet und der Zielgruppe der Pädagogen vollkommen angemessen“. [4]

Tja, und Wasser ist nass, nicht wahr?

Für alle Interessierten in Sachsen-Anhalt: An einer ähnlichen Aufklärungskampagne sitzt momentan auch das Kompetenzzentrum für geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe (KgKJH) hier in Magdeburg. Ab April soll das Konzept für einen KiTa-Koffer bearbeitet werden, um es dann in den verschiedenen Einrichtungen vor Ort vorzustellen.

Solltet ihr aber nicht so lange warten wollen, gibt es die Berliner Broschüre auch als PDF zu downloaden, da die handliche Erstauflage von 2000 Exemplaren mittlerweile vergriffen ist.

 

Bis nächste Woche,

Min. 🌈

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die queere Sendung aus Magdeburg

jeden 4.Mittwoch im Monat um 18 Uhr eine neue Ausgabe